Kultur, Museum und Geschäftsmodell: Geht das?

Wenn von Geschäftsmodellen die Rede ist, dann wird häufig erst einmal die Idee des Verkaufens damit verbunden. Wenn Museen also Geschäftsmodelle entwickeln, heißt das dann, dass sie für alles, was sie tun Geld nehmen wollen?

Ja und Nein. Das kann zutreffen, ist aber nur ein Teil dessen, was wir damit meinen. Museen sind öffentlich geförderte Einrichtungen und haben einen Bildungsauftrag. Wenn Sie nur noch verkaufen, dann würde das dem Auftrag widersprechen. Wir sprechen allerdings über Geschäftsmodelle, die sich gar nicht nur um das Verkaufen drehen. Geschäftsmodell und Finanzierungsmodell sind also nicht identisch.

Ein Geschäftsmodell ist erst einmal viel allgemeiner: Es beschreibt die Bündelung von Aktivitäten, die dazu dienen, einen Nutzen zu erzeugen. Wie dieser Nutzen aussieht, ist zunächst offen. Der Nutzen kann, muss aber nicht in Geld bestehen. Er kann sich etwa auch in einer größeren Bekanntheit des Museums zeigen.

Gemeinsam mit allen Partnern im Projekt ist deshalb folgende Definition für Geschäftsmodelle entstanden, die wir für unsere Konzepte nutzen:

„Geschäftsmodelle im Sinne des Projekts „NAVI für Forschungsmuseen“ beziehen sich darauf, mit welchen personellen und finanziellen Ressourcen, wertschöpfenden Methoden und Verfahren (z.B. Auswahl digitaler Inhalte mit Verwertungspotenzial, Prozess der Bereitstellung digitaler Inhalte etc.) ein Forschungsmuseum digitale Inhalte als Leistungen für Zielgruppen auch außerhalb der Wissenschaft bereitstellen kann, um so spezifische Bedürfnisse dieser Zielgruppen zu bedienen und das Forschungsmuseum zugleich einen kalkulierten Ertrag (nicht-monetär oder monetär) erzielen kann.
Dabei ist wichtig anzumerken, dass es nicht EIN Geschäftsmodell gibt, sondern dass es je nach konkreter Leistung und Zielgruppe erforderlich ist, unterschiedliche Geschäftsmodelle zu entwickeln und anzuwenden.“

Ein kulturhistorisches Museum ist per se also noch kein Geschäftsmodell. Es kann aber unterschiedliche Geschäftsmodelle nutzen, um mit all den Inhalten, die es zu bieten hat, einen Nutzen zu erzeugen. Übrigens: Hierzu bedarf es eines Verständnisses von Zielgruppen des Museums!

Ein mögliches Geschäftsmodell wäre beispielsweise „Lieferung authentischer Inhalte“.
Hierbei würde das Museum Inhalte bereitstellen, die auf Erkenntnissen aus der historischen Forschung basieren und somit nachvollziehbar sind. Das wäre vor allem immer dann spannend, wenn andere Nutzergruppen bisher nur mit Annahmen agieren. Historische Erkenntnisse könnten zum Beispiel in der Tourismusbranche, in der Filmeindustrie, in der Gestaltung von Spielen oder im Bildungswesen eine Rolle spielen. Einen solchen Gedanken verfolgen wir beispielsweise im Teilprojekt Kultur am Deutschen Schiffahrtsmuseum mit unserem „Bremer Kogge Use Case“.
Je nach Nutzergruppen würde das Museum mit einem solchen Geschäftsmodell zwar nicht direkt Geld verdienen, aber einen nicht-monetären Ertrag darüber generieren, dass es beispielsweise seinem Bildungsauftrag nachkommt.

Ein Geschäftsmodell, das viele kulturhistorische Museen oftmals fast unbewusst nutzen, sind sogenannte „On-Demand“-Geschäftsmodelle. Solche Geschäftsmodelle beziehen sich darauf, dass eine Leistung immer nur dann erbracht wird, wenn konkret danach gefragt wird. Diese treten in kulturhistorischen Museen immer dann auf, wenn externe Anfragen eingehen, beispielsweise für Recherchen. Wann immer eine Anfrage eine Recherche auslöst, die das Museum nur durchführt, um diese Anfrage zu beantworten, ist ein „On-Demand“-Geschäftsmodell erfüllt.
Geschäftsmodelle können also dabei helfen, dass die eigenen Ressourcen strukturiert dafür eingesetzt werden, einen Ertrag zu erreichen.
Kultur, Museum und Geschäftsmodell: Das geht.

Und: Natur, Museum und Geschäftsmodell geht auch. Das zeigt das Beispiel der Kooperation des Museums für Naturkunde mit der Bpk-Bildagentur.

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